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Technischer Dialog zu Agrarfinananzierungsthemen des Landmanagements in Südafrika

Südafrika verfügt in einigen Regionen über sehr günstige Klimaverhältnisse für diverse Anbaukulturen und hat damit ein hohes landwirtschaftliches Potential. Dieses Potential wird allerdings nicht ausgeschöpft, es gibt weitaus mehr landwirtschaftliche Nutzfläche als derzeit bewirtschaftet wird. Eine wesentliche Ursache dafür liegt in der bisher nicht vollständig umgesetzten Reformierung der Bodenordnung, welche bereits 1994 nach offiziellem Ende des damaligen Apartheitssystems begonnen wurde. Neben einem hochentwickelten Sektor mit geschätzten 36.000 kommerziell ausgerichteten Landwirtinnen und Landwirten existieren heute ca. 1,3 Mio. Klein- und Kleinstbetriebe, die Subsistenzlandwirtschaft auf kleinen gepachteten oder kommunalen Parzellen betreiben. Noch heute ist die südafrikanische Gesellschaft sozial und wirtschaftlich zweigeteilt, auch in Bezug auf die Landwirtschaft.

Das Apartheitssystem in Südafrika institutionalisierte über Jahrzehnte ein Verteilungs- und Zugangssystem für Agrarland auf Basis einer Zugehörigkeit zu bestimmten Personengruppen. Gegen Ende der Apartheid 1994 waren geschätzte 82 Millionen Hektar kommerziellen Ackerlandes in den Händen einer weißen Einwohnerschicht (ca. 10,9 Prozent der Bevölkerung). Die südafrikanische Bodenreform zielt auf eine Umverteilung von 30% der gesamten Agrarfläche des Landes bis zum Jahr 2014. Dieses Ziel sollte auch zur Wiederherstellung von Gleichheit in der Gesellschaft beitragen. Schätzungen zufolge sind bislang allerdings nur ca. neun Prozent der kommerziellen landwirtschaftlichen Nutzfläche an vorherige Landnutzer zurückgegeben oder an Neulandwirte- und Landwirtinnen umverteilt worden.

Die Erfahrungen aus der südafrikanischen Bodenreform der letzten Jahrzehnte haben gezeigt, dass viele weitere Aspekte aus dem Landmanagement eine wesentliche Rolle für die Überführung von ungenutztem Agrarland in eine produktive und nachhaltige Nutzung oder für die Rückgabe und Umverteilung von Boden spielen. Neben Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten, effektiven Kataster- und Verwaltungssystemen für öffentliche Agrarflächen und Wasserrechte stellen auch Investitionsmöglichkeiten eine Barriere für die Betriebsentwicklung dar. Banken gewähren Landwirten und Landwirtinnen Kredite i.d.R. nur auf Basis beleihbarer Landtitel, welche jedoch derzeit in Südafrika nicht oder nur eingeschränkt an Begünstigte der Bodenreform erteilt werden.

Hier setzt das durch das BMEL geförderte Partnerschaftsprojekt mit der Land and Agricultural Development Bank of South Africa, kurz Land Bank an. Diese soll durch das Projekt in der Analyse von Erfahrungen und Erarbeitung von Handlungsempfehlungen z.B. zu landwirtschaftlichen Pachtsystemen und kreditwürdigen Landnutzungsverträgen sowie in der Verbreitung und Diskussion dieser Ergebnisse mit relevanten Entscheidungsträgern auf nationaler und regionaler Ebene unterstützt werden.

Dafür stellt das Projekt beispielsweise der Partnerorganisation aufgearbeitete Erfahrungen aus anderen Ländern und bedarfsgerechte Empfehlungen für einen verbesserten Zugang zu Agrarland zur Verfügung. Verschiedene Entscheidungsträger aus öffentlichen und privaten Einrichtungen, wie z.B. Ministerien und Verbände sind an der Weiterentwicklung von Agrarfinanzierungsmöglichkeiten und Fragen des Landmanagements beteiligt. Das Projekt unterstützt die Land Bank in der Kommunikation und Kooperation mit diesen Einrichtungen, um einen fachlichen Austausch zwischen relevanten Akteuren des Landmanagements zu fördern.

Die Verfügbarkeit von Handlungsempfehlungen und eine verstärkte Kommunikation und Austausch zwischen Entscheidungsträgern soll ein Beitrag dazu leisten, dass südafrikanische Ministerien, Verbände und andere relevante Einrichtungen abgestimmte technische Maßnahmen zur Verbesserung des Agrarlandmanagements umsetzen können. Dies kann sich mittelfristig positiv auf Neulandwirte und -landwirtinnen auswirken, indem Finanzierungsmöglichkeiten für Betriebsinvestitionen angeboten werden.

Das Projekt wird seit März 2019 von der IAK Agrar Consulting mit der BVVG als Konsortialpartner und einem Expertenteam vor Ort in Pretoria durchgeführt. Beide Organisationen verfügen über spezifische Beratungsexpertise und Fachwissen zu Themen des Landmanagements, der Agrarfinanzierung sowie zu Prozessen der Bodenreform und Transformation.

(Stand: Juli 2019)

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