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Projekte

Beitrag zur Förderung der nachhaltigen landwirtschaftlichen Produktivität in Äthiopien

Das Projekt

Der Nahrungsmittelbedarf in Äthiopien steigt durch die starke Bevölkerungsentwicklung und die sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten stetig. Das Land zählt noch immer zu einem der ärmsten Länder der Welt, in dem bis zu 10 Millionen Menschen von regelmäßiger Nahrungsmittelhilfe abhängig sind. Das Land ist auf eine zunehmende Einfuhr von Grundnahrungsmitteln angewiesen, während Exporte einzelner Agrarerzeugnisse dringend benötigte Devisen einbringen. Gleichzeitig bieten große Landesteile Äthiopiens sehr günstige klimatische Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion, vor allem im Hochland. Dieses Potenzial wird jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Die unvorteilhaften Produktionsbedingungen in der äthiopischen Landwirtschaft, insbesondere die rückständigen Bewirtschaftungsmethoden und der beschränkte Zugang zu verbessertem Saatgut sowie moderner Landtechnik, erlauben nur Flächenerträge, die im afrikanischen Vergleich sehr niedrig sind.

Der Agrarsektor bildet die Basis der äthiopischen Wirtschaft, in dem rund 80 Prozent der Bevölkerung beschäftigt sind und fast die Hälfte des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet wird. Die äthiopische Regierung unternimmt mit Unterstützung zahlreicher Entwicklungspartner große Anstrengungen, um den Agrarsektor weiter auszubauen, so dass er zu einer besseren Nahrungsmittelversorgung, zur Armutsminderung und zu wirtschaftlichem Wachstum stärker beitragen kann. 

Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) engagiert sich seit 2011 in Äthiopien, um die landwirtschaftliche Produktivität zu erhöhen, um somit zur Ernährungssicherung und landwirtschaftlichen Entwicklung beizutragen. Die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) GmbH wurde vom BMEL beauftragt, die drei Vorhaben Deutsch–Äthiopisches landwirtschaftliches Weiterbildungszentrum (ATC), Stärkung des Saatgutsektors in Äthiopien (CD Seed) sowie Fachdialog Agrar mit der Republik Äthiopien (FDA) durchzuführen.

Diese Projekte werden seit November 2014 in dem kohärenten Programm „Beitrag zur Förderung nachhaltiger landwirtschaftlicher Produktivität in Äthiopien (SSAP)“ gebündelt weitergeführt. Hierdurch können zusammengehörende Themen übergreifend bearbeitet und bestehende Synergien besser genutzt werden. Insgesamt wird hierdurch die fachliche und organisatorische Effizienz gesteigert sowie eine bessere Sichtbarkeit nach außen erreicht.

Projektziele und Aktionsbereiche

Das Programm zielt darauf ab, die Bedingungen für die Produktion im Agrar- und Ernährungssektor in Äthiopien durch nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen und den gezielten Einsatz von Betriebsmitteln zu verbessern. Um dies zu erreichen, werden die Kompetenzen örtlicher Landwirte sowie ihre Fähigkeiten zur Selbstorganisation gestärkt und die marktwirtschaftlichen Rahmenbedingungen verbessert. Durch Beratung und Weiterbildung in drei Handlungsfeldern wird die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität in Äthiopien unterstützt.

Im Handlungsfeld Fachdialog Agrar wird zu prioritären Themen des äthiopischen „Agricultural Growth Programme“ zur Förderung des Agrarsektors beraten, beispielsweise zur Weiterentwicklung von Kooperativen und Verbänden, zum Aufbau eines Qualitätssystems für die Saatguterzeugung und zur Förderung der Agrarwirtschaft insgesamt. Die Erfahrungen, das Know-how und die Angebote deutscher Behörden, Unternehmensverbände sowie weiterer Partner leisten dabei einen wichtigen Beitrag.

Das Handlungsfeld Stärkung des Saatgutsektors und Erhaltung genetischer Ressourcen zielt speziell auf die Förderung der für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung genetischer Ressour-cen, Züchtung und Verbreitung von Saatgut relevanten Institutionen ab. Dazu werden Züchter und Techniker in den äthiopischen Agrarforschungsinstituten und der Genbank weitergebildet. Auch werden die institutionellen Kapazitäten dieser Organisationen gestärkt und die Mitarbeit Äthiopiens an der Umsetzung des internationalen Saatgutvertrages gefördert.

Ziel des Handlungsfelds Aus- und Weiterbildung in nachhaltigen Produktionsverfahren ist die Förderung einer nachhaltigen Produktivitätssteigerung durch landwirtschaftliche Mechanisierung und moderne Anbauverfahren. Im „Deutsch-Äthiopischen landwirtschaftlichen Weiterbildungszentrum“ werden unterschiedliche Anbauverfahren erprobt und vermittelt, die Ertragssteigerungen bei gleichzeitiger Verbesserung der Bodenfruchtbarkeit ermöglichen. Als Ergebnis können die Absolventen moderne nachhaltige Produktionsmethoden und betriebswirtschaftliche Ansätze in ihren landwirtschaftlichen Betrieben anwenden und/oder entsprechende Dienstleistungen in Form von Lohnarbeiten für Kleinbauern anbieten, auf deren kleinen Flächen sich der Einsatz eigener Maschinen nicht lohnen würde.

Projektpartner und Kooperationen

Auf Seite der äthiopischen Partner ist das Ministry of Agriculture and Natural Resources (MoANR) der politisch verantwortliche Partner. Für die Durchführung sind daneben die Agricultural Transformation Agency (ATA), das Ethiopian Institute of Agricultural Research (EIAR) sowie das Ethiopian Biodiversity Institute (EBI) verantwortlich. Neben der Beratung dieser Institutionen auf nationaler Ebene, finden wichtige Aktivitäten auch in unterschiedlichen Regionen statt.

Auf deutscher Seite ermöglicht eine Vielzahl kompetenter Partner die fachlich fundierte Zusammenarbeit. Zur Kooperativenentwicklung beraten der Deutsche Genossenschafts- und Raiffeisenverband e. V. (DGRV) sowie die Akademie deutscher Genossenschaften e. V. (ADG). Bei der Entwicklung des Saatgutsektors unterstützen die Genbank des Leibniz-Instituts für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung (IPK), das Bundessortenamt, die Gemeinschaft zur Förderung von Pflanzeninnovation  e. V. (GFPi) sowie der private Partner KWS Saat AG.

Das ATC wird bei seiner Ausstattung mit Landmaschinen, Betriebsmitteln und Beratungsleistungen durch folgende Unternehmen unterstützt: Bayer Crop Science, Beinlich, DSV, Europlant, Fliegl, Grimme, Lehner, Lemken, Müller Elektronik, Pöttinger, Rauch. Die Andreas Hermes Akademie (AHA) unterstützt die Ausbildung im unternehmerischen Bereich.

(Stand: März 2016)

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