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Äthiopien

Äthiopien

Durch große Entwicklungsfortschritte und klare Wachstumsorientierung kann Äthiopien beachtliche Erfolge in der sozioökonomischen Entwicklung vorweisen. Die äthiopische Wirtschaft erzielte bis vor wenigen Jahren noch zweistellige Wachstumsraten, die sich 2018/19 auf ca. 9% des Bruttoinlandsproduktes (BIP) eingependelt haben. Damit zählt sie zu den fünf am schnellsten wachsenden Volkswirtschaften der Welt. Dennoch zählt Äthiopien noch immer zu den zwanzig ärmsten und am wenigsten entwickelten Ländern der Welt.

Der Agrarsektor bildet die Basis der äthiopischen Wirtschaft, in dem rund 70 Prozent der Bevölkerung beschäftigt sind und etwa 40% des Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet wird. Die äthiopische Regierung unternimmt mit Unterstützung zahlreicher Entwicklungspartner große Anstrengungen, um den Agrarsektor weiter auszubauen, so dass er zu einer besseren Nahrungsmittelversorgung, zur Armutsminderung und zu wirtschaftlichem Wachstum stärker beitragen kann. Wichtige landwirtschaftliche Exportprodukte sind Kaffee, Schnittblumen, Gemüse sowie Ölsaaten. Die in Äthiopien traditionell weit verbreitete Zwerghirse Teff ist in den letzten Jahren als sogenanntes Superfood weltweit populär geworden und stellt ein zunehmend wichtigeres Exportgut dar.

Große Herausforderungen sind vor allem das starke Bevölkerungswachstum von fast 3% pro Jahr sowie die Anpassung an den Klimawandel mit wiederkehrenden Extremwetterlagen (Überschwemmungen und Dürren). Der Nahrungsmittelbedarf in Äthiopien steigt durch die starke Bevölkerungsentwicklung und die sich wandelnden Ernährungsgewohnheiten stetig. Bis zu 10 Millionen Menschen von regelmäßiger Nahrungsmittelhilfe abhängig und das Land ist auf eine zunehmende Einfuhr von Grundnahrungsmitteln angewiesen, während Exporte einzelner Agrarerzeugnisse dringend benötigte Devisen einbringen.

Gleichzeitig bieten große Landesteile Äthiopiens sehr günstige klimatische Bedingungen für die landwirtschaftliche Produktion, vor allem im Hochland. Dieses Potenzial wird jedoch bei weitem nicht ausgeschöpft. Die Landwirtschaft ist überwiegend kleinbäuerlich geprägt mit durchschnittlichen Betriebsgrößen im Hochland von einem halben Hektar. Daneben gibt es wenige Großbetriebe. Viele Bauern können sich und ihre Familien mit ihrer Ernte nicht ganzjährig ernähren. Äthiopiens Landwirtschaft weist im afrikanischen Vergleich sehr niedrige Flächenerträge auf Grund der kleinen Betriebsstrukturen, beschränktem Zugang zu verbessertem Saatgut sowie moderner Landtechnik auf.

Die äthiopische Regierung hat umfassende Reformpläne ausgearbeitet, um die Potentiale des Landes besser zu nutzen. Der Growth and Transformation Plan II (GTP II) von 2016-20 fokussierte unter anderem auf den Ausbau der verarbeitenden Industrie, Exportorientierung und Steigerung der landwirtschaftlichen Erträge. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) unterstützte Äthiopien bei der Umsetzung.

Für das BMEL ist Äthiopien ein Schwerpunktland der Zusammenarbeit. Es spielt in Ostafrika eine wichtige Rolle als Stabilitätsanker. Ziel ist es, das Partnerland bei dem Aufbau einer nachhaltigen und leistungsstarken Landwirtschaft zu unterstützen. Gegenstand der Zusammenarbeit sind die nationale Saatgutpolitik und Bereitstellung von Qualitätssaatgut sowie die Erhaltung und Nutzung der Biodiversität. Die Zusammenarbeit verfolgt die nachhaltige Förderung der Produktivität in der Landwirtschaft.

(Stand: Januar 2021)